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NABU: Fließgewässer erforschen - gemeinsam Wissen schaffen

Saubere Gewässer sind die Lebensadern für unser Land. Sie bewässern die Böden, reinigen sich selbst, z.B. durch die Lebewesen, die in ihnen leben. Mancherorts schöpfen die Menschen auch Trinkwasser aus ihnen. Oft transportieren sie Sand, organische Stoffe oder Geröll zur Bodenbildung, dazu Nährsalze, die den Boden fruchtbar machen. Intakte Bäche helfen beim Hochwasserschutz, nehmen auch Kohlenstoffdioxid auf und bieten vielen Lebewesen Lebensraum. Wer einen Spaziergang am Bach macht, spürt die besonders stressreduzierende Wirkung des Fließgewässers, Fluss- und Bachtäler sind nicht nur deshalb gefragte Naherholungsgebiete.

Nur ein geringer Teil der Fließgewässer ist in Europa in einem guten oder sehr guten Zustand, die für uns kostenfreien Ökosystemleistungen sind oft nicht mehr verfügbar. Bis 2027 sollen alle Fließgewässer in der EU wieder einen guten Zustand erreicht haben, so formuliert es das Ziel der Wasserrichtlinien. Eine Überwachung der Qualität der Flüsse erfolgt systematisch, die Bäche bleiben oft unerforscht und ungeschützt.

Das Projekt Flow organisiert Bürgerforschung für saubere Fließgewässer und kümmert sich dabei um kleinere Bäche. Dazu bedarf es der Ausbildung von Expert*innen, denn die Lebewesen, die für sauberes Wasser sorgen oder als Bioindikatoren Schadstoffe anzeigen, kennt kaum jemand in der Bevölkerung.

Im Frühjahr 2026 fanden Schulungen z.B. für zukünftige Gruppenleitungen für das Flowprojekt statt - in den Universitätsstädten Erfurt, Hamburg, München, Stuttgart und in Rheinland-Pfalz im Naturschutzzentrum Westerwald in Holler. Eva Molsberger-Lange wohnt vor Ort und nutzte die guten Möglichkeiten erneut für eine abwechslungs- und lehrreiche Fortbildung.

Zunächst konnten sich die Teilnehmenden aus Ludwigshafen, Heinsberg oder Altenkirchen mit der Systematik der Wasserlebewesen beschäftigen. Insbesondere die vielen verschiedenen Insektenlarven, die die Bäche bevölkern, muss man unterscheiden lernen, um verlässliche Aussagen zur Gewässerqualität zu treffen.

Danach wurde am Elbertbach in Kurzdurchlauf eine Gewässeruntersuchung vorgestellt. Eva kescherte die Proben aus den unterschiedlichen Sedimenten am Bodengrund, danach wurden die Tierchen sortiert und möglichst auch die Gattung oder Art bestimmt. Die Teilnehmer*innen waren erstaunt, wie groß die Artenvielfalt schon zu Beginn des Frühjahrs ist. Da viele Larven noch klein sind, wurde die weitere Bestimmung im Naturschutzzentrum durchgeführt. Die Lebewesen durften wieder zurück in ihren Bach.

Vor Ort konnten sich alle wieder aufwärmen und stärken, bevor durch die Vergrößerung der Binokulare der Feinbau der Tiere zu sehen war. Wo sitzen denn die Atmungsorgane, an den Schwänzen oder am Körper, hat das eine Tier lange Mundwerkzeuge, die sogar Kaulquappen gefährlich werden können und womit halten sich die Tiere in der Bachströmung fest? Tragen sie Köcher, haken oder kleben sie sich fest oder bewegen sie sich, wie die Bachflohkrebse im Wasser. Womit fischen sie die Nahrung aus dem Wasser? Die unterschiedlichen Lebensweisen werden durch den angepassten Körperbau möglich, so dass keine Art der anderen ganz gleicht. Die Gattungs- oder Artnamen von Tieren aus Probegläschen fanden die Teilnehmer*innen in einem unterhaltsamen Quiz heraus.

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